Ein Jahr mit den Straßenhunden von Güre

Ein Jahr mit den Straßenhunden von Güre – Hunde-Freunde.com

Die Brücken in Deutschland habe ich nach reiflicher Überlegung abgebrochen, um meinen Lebensgefährten zu begleiten, der als Professor für Archäologie für die UNESCO bei Ausgrabungen auf der ganzen Welt mitarbeitet. Das Reisen liegt mir seit jeher im Blut, so ist einer meiner früheren Berufe Schiffsführer. Europa kenne ich wie meine Westentasche, doch mein lang gehegter Traum, in der Türkei zu leben, wird nun endlich wahr. Unser gemeinsamer Weg beginnt in Canakkale im Nordwesten der Türkei. Dort sind wir auch zum ersten Mal bewusst mit Straßenhunden in Kontakt gekommen: In den Feldern rings um unsere Wohnanlage sind wir auf eine Hündin mit Welpen gestoßen. Wir bringen jeden Tag zweimal Futter, da die Mutter schon bis auf die Knochen abgemagert ist und das Gesäuge wohl kaum ausreichend Milch abgibt. Tragischerweise verliert die Hündin kurze Zeit später ihr Leben auf der angrenzenden Schnellstraße, doch zum Glück finden wir in der verbleibenden Zeit für alle Hundebabys ein Zuhause. Und jetzt steht auch schon der Umzug an: Die Zusage für den neuen Job steckt im Briefkasten, gleich am nächsten Tag packen wir unsere Siebensachen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschieden wir uns am Vorabend unserer Abreise von den vielen netten Nachbarn und auch von deren Hunden, mit denen wir und unser kleiner Chihuahua Lucky jeden Tag gemeinsam die ausgiebigen Gassirunden durch Wald und Feld gelaufen sind. Wir sehen es inzwischen als selbstverständlich an, uns so gut es geht für die Straßenhunde vor unserer Tür zu engagieren.

Die Ankunft in Güre

Nach zwei Stunden Fahrt mit dem Reisebus erreichten wir die Kleinstadt Güre. Das malerische Fischerdorf am Golf von Edremit in der nördlichen Ägäis soll nun für ein gutes Jahr unser neues Zuhause sein. Der landschaftliche Gegensatz ist apart – zum einen führen die verschlungenen Wanderwege der angrenzenden Kazdağı-Berge vorbei an zahlreichen Olivenplantagen zum Schauplatz der Sarikiz-Legende. Der Überlieferung nach besuchte auch schon Aphrodite schon vor 2700 Jahren das Kleinod an der Olivenriviera, um in dem mineralreichen Thermalwasser zu baden. Zum anderen bietet der Strand am gegenüberliegenden Ortsrand Badegästen bei vollem Serviceangebot Erholung im kühlen Nass. Noch in Gedanken an den vorherigen Wohnort versunken und die guten Vorsätze hinsichtlich der Straßentiere im Hinterkopf, steigen wir aus. Lucky freut es auch, sein Geschäft verrichten zu können. Als ich mit ihm nichts ahnend zur Seite gehe, trifft mich bald der Schlag: Liegt dort ein Rudel von mehr als zehn ausgewachsenen Rüden in Schäferhundgröße scheinbar träge in der Nachmittagssonne. Sie heben wie auf Kommando ihre Köpfe und blinzelten uns interessiert an. „Pfefferspray“ schießt es mir in den Kopf und in der gleichen Sekunde reiße ich unseren Lucky wie ein Jo-Jo an seinem Brustgeschirr hoch. Tierschutz hin oder her, das hier ist zu viel. Kann man in diesem Dorf überhaupt mit einem Zwerghund unbehelligt spazieren gehen? Da kommt auch schon der Sohn des Vermieters vorgefahren, um uns abzuholen. Fünf Minuten später erreichen wir unsere Wohnung. Tierliebe Menschen zu finden, die Hundehaltung in der Wohnung erlauben, ist nicht so einfach, aber wir haben Glück. Im Vorgarten lauert eine ganze Schar Katzen, sie starren uns mit kreisrund aufgerissenen Augen fassungslos an: Da ist ein Tier, kleiner als sie selbst, aber keiner von ihnen? Nach der Schrecksekunde weicht die Ratlosigkeit aus ihren Gesichtern und sie signalisieren mit steil erhobenen Schwänzen Freundschaft. Na also, geht doch. „Ja, wir sorgen uns um die Straßentiere“, erzählt unsere Vermieterin, eine zierliche, aber sehr resolute alte Dame. „Es sind ja alles Allahs Geschöpfe auf der Welt. Komm mit, ich zeig dir unsere Hunde“. Noch mehr Hunde, gar von diesem Kaliber wie vorhin die Meute? Das kann ja heiter werden.

Spaziergang mit 20 Pfoten

Wir starten dann zu unserer ersten Gassirunde. An der Türe wartet schon „unsere“ Hundefamilie, eine weiße Hündin, ihre zwei großen Söhne und so ein kleinerer brauner, der augenscheinlich nicht mit den anderen verwandt ist. „Ja, der Braune ist angefahren worden. Wir sind mit ihm zum Tierarzt gefahren, weil sein Bein gebrochen war. Er humpelt seitdem etwas, aber es ist so weit wieder gut. Jetzt lebt er bei uns.“ Aha. Sie kommen ganz nahe heran, sind aber sehr vorsichtig. Neugierig beschnüffeln die großen Rüden unseren Lucky und das war´s wohl. Der dicke Stein in meiner Hand kommt nicht zum Einsatz. Sie sehen in dem Kleinen anscheinend keine Konkurrenz, die Hündin hingegen ist ganz entzückt – sie meint wohl, unser Chi wäre ein Welpe und schleckt ihn genüsslich ab. Lucky gefällt das gar nicht und will weg. So erkunden wir das Dorf und die angrenzenden Landwirtschaftswege, umringt von einem Rudel Vierbeinern. Aber so ganz geheuer ist mir das nicht, irgendetwas Unberechenbares schwingt da immer mit. Um auf die sichere Seite zu kommen, könnte man ja etwas nachhelfen: Hundekekse wären toll. Und da es hier so etwas nicht gibt, läuft die heimische Produktion an.

Die Situation der Dorfhunde

Straßenhundeelend, so wie die Medien es zeigen, gibt es hier zum Glück nicht. Die Tiere sind halb domestiziert und haben durchweg Normalgewicht. Sie bewegen sich frei und kommen zum fressen und schlafen zurück. Einige Freigänger, wie die weiße Hündin Badem, tragen Halsband oder einen gelben Clip im Ohr, das heißt, sie sind sterilisiert und bei der Gemeinde registriert. Auf meine Frage, wie die Nachbarn zu den Hunden stehen, sagt unsere Vermieterin: “ In Güre helfen viele Menschen den Straßentieren, doch geraten manchmal Katzen-Liebhaber und Hundefreunde aneinander. Dann gibt es noch welche, die haben Angst vor den Hunden.“ Anders ist es mit den Wohnanlagen am Ortsrand. Dort hängen Warnschilder an den Eingangstoren, Tiere füttern ist streng verboten – sogar Trinkwasser hinstellen im langen, heißen Sommer ist unerwünscht. Im Zusammenhang mit diesen hochpreisigen, pikfeinen Sommerresidenzen stehen die meisten Meldungen über vergiftete Hunde. Daneben sind die Müllcontainer eine beliebte Fundgrube für so manche Mahlzeit. Tüten mit Brot oder Essensresten werden hier gleich auf die Erde gelegt, wohl damit die Abfälle einigermaßen ordentlich abgeholt werden können und nicht von den Straßentieren verstreut werden. Besonders nach dem Opferfest findet man öfters Hörner oder Knochen in der Umgebung, woran sich die Hunde erfreuen. Mit der Zeit lernen wir noch weitere tierfreundliche Bewohner kennen und erfahren die Namen der Hunde, die sie versorgen. Ein alter Herr, der selbst drei Terrier hat, gibt uns sogar eine selbst gemachte Heiltinktur für Lucky mit, falls einmal etwas ist. Große Aufregung herrscht zurzeit in der Nebenstraße. Eine Hündin ist seit zwei Tagen nicht zu ihren ein Monat alten Welpen zurückgekehrt. Man spekuliert, ob sie „von denen da“ vergiftet wurde und die fünf Hundebabys fiepen hungrig in ihrem Nest aus dem offenen Kellerfenster heraus. Gleich bekommen sie lauwarme Milch mit eingeweichtem Brot, die Anwohner kümmern sich, so gut sie können.

An der Promenade

Auf der anderen Seite der Schnellstraße findet das gesellschaftliche Leben statt. Abgesehen von zwei 5-Sterne-Spa-Hotels steht der Tourismus in Güre noch am Anfang, doch ist es ein Geheimtipp für Naturliebhaber. Entlang der Uferpromenade gibt es Teegärten, Cafés, Fischlokale und eine Disco. Am Ende der Flaniermeile, vor der neu gebauten Marina, beginnt der Strand, ein Sammelpunkt der Straßenhunde. Gewöhnlich werden angenommene Hunde draußen an der Kette gehalten, so wie „Reis“, der riesige 80-Kilo-Kangal im Vorgarten eines Strand-Cafés. Der ist allerdings weniger abschreckend als tragisch, wie er hinter dem Eisenzaun versucht den Keks zu fangen und ihn verpasst, weil er etwas zu kurz angebunden ist. Ein Inhaber erklärt sich bereit, auf unsere Fragen zu antworten. Woher kommen die vielen Hunde? „Es sind die Urlauber, die über den Sommer in den Ferienvillen die niedlichen Welpen füttern. Und dann fahren die Leute drei Monate später nach Hause und überlassen die Hunde ihrem Schicksal. Von einigen Restaurants bekommen die Tiere bei Feierabend die Essensreste, auch der Supermarkt überlässt abgelaufene Fleischpakete den Straßentieren. Aber nicht alle denken so. Bevor die Saison beginnt, werden (anscheinend auf Anfrage der Geschäftsleute) von der Stadtverwaltung Säuberungsaktionen durchgeführt. Auf einen Schlag fehlen dann 30 bis 50 Hunde. Die Gäste fühlen sich zu Recht belästigt, draußen an den Tischen – Katzen werden eher toleriert. Aber es kommen immer wieder neue Hunde nach und jedes Jahr wiederholt sich der Ablauf.

15 Rüden auf Freiersfüßen

Wir bemerkten, dass sich die Hunde das Dorf in Reviere aufgeteilt haben. So weis man immer, wen man wo treffen wird. Ausgerüstet mit leckeren Hundekeksen sind wir überall gern gesehen in Hundekreisen, Ziel erreicht. Doch die Kehrseite der Medaille erfahren wir kurz darauf. Beim Rückweg von der Uferpromenade folgen uns unerfahrene Junghunde. Obwohl wir versuchen, sie zu verscheuchen, kommen sie bis an die Schnellstraße. Und es passiert, was wir befürchtet haben, einer der Junghunde wird von einem vorbeirasenden Auto erfasst und kommt zu Tode. Wie macht man es nun richtig, es ist nicht einfach. Derweil amüsiert sich unsere weiße Haus-Hündin mit reichlich Herrenbesuch auf der freien Fläche des Nachbarhauses. Die Vermieterin verrät uns, Ende des Jahres werden wir Nachwuchs haben. Ob die Männer demnächst einmal die Ärmel hochkrempeln und eine Hundehütte fertigmachen?

Veterinäre, Politik und der Tierschutz

Bei den Spaziergängen am Strand entlang lernen wir Deniz kennen, eine pensionierte Tierärztin. Sie bedauert die Vermehrung der Hunde sehr und trägt mit kostenfreien Sterilisationen der Hündinnen zur Verbesserung der Lage bei. Wie viele Bisswunden und Entzündungen sie schon auf eigene Kosten behandelt hat, zählt sie schon gar nicht mehr. Und auch die Politik ist hilflos, ärgert sie sich: „Das türkische Tierschutzgesetz wurde zum Nachteil der Tiere geändert. Demnach kann die Gemeindeverwaltung Straßenhunde einfangen, töten oder in abgelegene, eingezäunte Gebiete oben in den Bergen aussetzen. Im Wald sind die Hunde dann sich selbst überlassen. Und wenn sich ein Nachbar belästigt fühlt, werden Tiere ab 40 cm Schulterhöhe als gefährlich eingestuft und einfach abgeholt, da kann der Halter nichts machen.“ Eine riesige Demonstration von Tierfreunden und Hilfsorganisationen gegen diese augenscheinliche Verschlechterung geht Anfang Oktober 2012 weltweit durch die Medien. Auch der Gastwirt stimmt dem zu: „Ich kaufe jeden Monat Trockenfutter für Hunde und Katzen, mein Lokal ist voll besetzt. Manche anderen Geschäfte halten sogar Welpen, um Gäste anzulocken. Und wenn die dann zu groß werden und nicht mehr so niedlich sind, gehören die zu denen, die bei der Gemeinde anrufen und einen Säuberungstermin bestellen.“ Das benachbarte Café ist auch gut besucht, doch dort werden sogar die Katzen verscheucht. „Schau dir meine Zähne an“ lacht Deniz, „das Geld für die Behandlung haben längst die Hunde aufgefressen“. Sie steckt sich eine Zigarette an und knuddelt Lucky „Ach da kommt ja unser großes Mädchen“. Die sehr große, schwarz-weiße Hündin gesellt sich freudestrahlend zu uns und stößt dabei mit ihrem Kopf erst einmal ein Teeglas um. Sie liebt unseren Chi über alles und wehe ihm kommt einer zu nahe, dann schmeißt sie den Störenfried kurzerhand aufs Kreuz. Und so ergeht es auch prompt dem einzigen aggressiven Hund, der einer Dame gehört, die den ganzen Tag mit Gleichgesinnten im Café sitzt und spielt. Wir verabschieden uns und gehen dann noch beim Metzger vorbei, der uns Schlachtabfälle und Knochen gibt. Auf dem Weg dorthin treffen wir den Rentner mit der blauen Tasche: „Habt ihr schon gesehen, da oben sind drei schwarze Welpen ohne Mutter“. Täglich läuft er seine Runde und verteilt Trockenfutter, aber jetzt hat er keine Zeit für einen Plausch. „Die warten schon“, klopft auf seine Tasche und eilt zu seinen neuen Schützlingen.

Welpenalarm

Die Trächtigkeit unserer Haushündin nähert sich inzwischen dem Ende und an einem Novembertag ist die Mama in spe plötzlich verschwunden. Nach intensiver Suche finden wir sie in einem Kanalrohr, wo sie neun Junge zur Welt gebracht hat. Ein kleinerer Nachbarjunge ist da herein gekrochen und hat die Babys herausgeholt. Die Hundehütte im Mandarinengarten hinter dem Haus ist perfekt, dort liegt nun trocken und geschützt die stolze Mutter mit dem Wurf. Doch hinsichtlich ihrer Mutterpflichten hat sie eigene Vorstellungen. Morgens ist die Hütte wieder leer! Hat sie klammheimlich über Nacht alle Welpen weggeschleppt in das Kanalrohr, wo die Niederkunft war. Von nun an bleibt die Hündin angeleint, dabei macht sie ihrem Unmut durch meist nächtliches Dauerbellen Luft. Die großen Söhne und der Braune sind ja auch noch da, das Futterproblem wird immer größer. Täglich zehn Brote und eine Tüte mit rohen Innereien zu beschaffen ist inzwischen an der Tagesordnung. Außerdem beschwert sich der Nachbar, ein Vertreter der Katzenlobby. „Wenn die nicht wegkommen, leg ich Gift aus“. Da sich auch nach Gesprächen keine Kompromissbereitschaft zeigt, haben unsere Vermieter die ganze Hundefamilie weggefahren, zu einer Stelle, wo viele Lebensmittel weggeworfen werden. „Der Braune bleibt hier“, stelle ich sicher. „Der hat ein Handicap und wird eh von den anderen immer gemobbt.“ Er bekommt ein Halsband und einen Namen: Olli.

Der neue Mitbewohner

Einige Tage später ist die Ruhe wieder vorbei – unsere Vermieterin hat ein kleines weißes Fellbündel von der Straße aufgelesen: Das ist Garip. Der bleibt jetzt erst mal bei uns. Also bringen wir ihm auch gleich eine Wurmkur mit, wir müssen nämlich mit Lucky nach Akcay zur Kartopu Praxis fahren, der hat sich Würmer eingefangen. Isil, die nette Tierärztin mittleren Alters, spricht deutsch. Auch sie verarztet Fundtiere, die Käfige im Behandlungsraum sind immer mit vierbeinigen Patienten bevölkert. „Es gibt hier einen Verein, der Straßentieren hilft und auch private Hunde-Asyle. Die städtischen Tierheime sind überfüllt, da sich die Hunde kaum vermitteln lassen, doch gibt es Zusammenarbeit mit europäischen Organisationen. Tiere einliefern oder annehmen kostet Geld, das keiner bereit ist zu zahlen, denn auf der Straße gibt es ja genug Hunde zum Nulltarif. Die Leute kaufen sich vorzugsweise teure Rassehunde und setzen die dann auch oft aus, wenn sie lästig werden.“ Das Gespräch geht weiter über die zahlreichen Internethändler und Veterinärpraxen, die schwunghaften Welpenhandel betreiben. „Alles Importe aus Osteuropa zu billigsten Preisen“, ihr Tonfall drückt Betroffenheit aus. „Doch auch hier gibt es Vermehrer, die alle möglichen Rassen anbieten. Die Mentalität der Menschen müsste sich grundlegend ändern, einerseits die Geldgier der Händler, andererseits sollten die Halter lebende Tiere nicht wie Wegwerfartikel behandeln. Vom Staat kommt keine Unterstützung zur Regelung der Straßentierpopulation.“ Und wie ist das mit dem islamischen Glauben? „Hunde gelten als unreine Tiere, bzw. als Nutztiere in der Außenhaltung. Wenn Tierhaare auf der Kleidung oder dem Gebetsteppich sind, ist das Gebet ungültig, doch dass sie nicht ins Haus dürfen, hat sich wohl aus Tradition eingebürgert. Eine Begründung oder ein Verbot der Hundehaltung findet man jedenfalls nicht im Koran. Man muss alle Tiere gut behandeln, so sammelt der Mensch in seiner Lebensspanne Pluspunkte, die ihm beim Eintritt ins Paradies angerechnet werden. Vielleicht sollte auch die bewusste Abgrenzung zu den umliegenden Glaubensrichtungen geschaffen werden.“ In der modernen Zeit tritt dieser religiöse Aspekt jedoch oft in den Hintergrund, es gibt viele Hunde mit Familienanschluss.

Abschied nehmen

Der Kontakt mit den Straßentieren ist äußerst lehrreich und die vielen Vorurteile erweisen sich als absolut inhaltlos. An den Schicksalen der Hunde konnten wir in dieser Zeit hautnah teilnehmen. In diesem Jahr haben wir zwei Würfe erlebt, vier Hunde wurden leider überfahren. Unsere Haushundfamilie lebt auf einem Krankenhausgelände in der Nachbarstadt, sechs von den neun Welpen haben wir vermittelt. Garip, das Findelkind, ist zu einem stattlichen Rüden herangewachsen. Der Glückspilz lebt nun auf einem Bauernhof und hütet mit sechs Kollegen die Schafe auf den Bergwiesen. Badem, die weiße Hündin mit dem gelben Ohrclip, hat Gesellschaft von einem braunen Junghund bekommen, dessen Vorderpfote gebrochen ist. Das große schwarz-weiße Mädchen hat ein richtiges Zuhause gefunden und stößt nun in Belgien die Teegläser um. Reis ist seit Juni nicht mehr da, die Besitzer haben ihn als Deckrüden nach Bursa gebracht, er komme aber im Herbst zurück. Der Braune aus unserem Haushund-Rudel hört schon auf seinen Namen Olli. Er hat Selbstbewusstsein aufgebaut, seitdem die anderen weg sind und genießt es sichtlich, angefasst zu werden, kannte er bis dahin nur Steinwürfe und Stockhiebe vom Nachbarn. Unser kleiner Prinz Lucky ist stinksauer auf seinen neuen Halbbruder. Eifersüchtig trommelt er dem Braunen jedesmal zur Begrüßung gefährlich knurrend auf der Schulter herum (höher kommt er nicht…). Der Große dreht dann nur ganz vornehm den Kopf weg und lässt sich umfallen. Tja Lucky, wirst dich dran gewöhnen müssen, den Olli nehmen wir mit: Es ist wieder Post im Briefkasten. Wir werden in einigen Wochen die Stadt verlassen und 600 km weiter südlich im eigenen Haus mit Garten leben. Die Erinnerungen an Mensch und Tier haben wir auf zahlreichen Fotos und Videos festgehalten, um das allgemeine Bild vom Tierschutz in der Türkei einmal in einem anderen Licht darzustellen, so, wie wir es jeden Tag in Güre erlebt haben.

Bild: © Depositphotos.com / kmiragaya

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