Chow-Chow

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Der Chow-Chow ist wohl eine der imposantesten Erscheinungen in der Hundewelt. Genau so eigenwillig ist auch sein Charakter, den sein erfahrenen Halter zu einem angenehmen und besonnenem Wesen formt. Dieser Hund ist stolz, aber wer es schafft, sein Vertrauen zu gewinnen, hat den besten Freund und loyalen Begleiter auf Lebenszeit.

Die Herkunft des Chow-Chow

Im Osten Sibiriens fanden Forscher erste Hinweise auf „Tatarenhunde“, den Vorgängern der heutigen Chow-Chows. Bereits seit der jüngeren Steinzeit kannte man sie als Gebrauchshunde, die Lastkarren zogen oder als Helfer bei der Jagd zu Lande und im Wasser eingesetzt wurden. Etwa zur Geburt Christus fand man im nordöstlichen China Aufzeichnungen mit eindeutiger Beschreibung: dem schweren Körperbau, der blauen Zunge, dem dicken Fell und den geraden Hinterläufen. Einige Meinungen verweisen auf Parallelen zum Bären, die das Aussehen und die Anatomie betreffen. Dazu kommen noch Eigenheiten wie der schwächer konzentrierte Harnstoff, der bärenähnliche Schädel und die im Vergleich zu anderen Hunderassen höhere Körpertemperatur. Die These, der Chow sei eine Kreuzung beider Tierarten, ist jedoch biologisch unmöglich. Im Reich der Mitte brachte die Kreuzung mit dem mongolischen Schäferhund schon das heutige Aussehen hervor. Viele Exemplare lebten als Schmuckhunde im Kaiserpalast, beim einfachen Volk war er Gebrauchshund und wurde leider auch für Hundekämpfe abgerichtet.

Die Bedeutung des Namens

Es kursieren mehrere Bezeichnungen und Bedeutungen des Namens. Die Chinesen nennen diese Rasse Wonk, aufgeplusterter Löwenhund, Hsiung Kou (Bärenhund), Lang Kau (Wolfshund), Kanton Dogs und Hek she (blaue Zunge). „Gou“, „Kou“ und „Gau“ bedeutet lediglich „Hund“. In der Geschäfts- und Handelssprache Pidgin, einer Mischung aus malaiischen, chinesischen, portugiesischen und englischen Worten, formte sich der Begriff Tschau-tschau: Erstens heißt so das Gewürz Ingwer, der die gleiche Farbe wie das Hundefell hat. Die zweite Übersetzung lautet „Leckerbissen“: In der asiatischen Kultur ist Hundefleisch eine Spezialität, wobei der Chow-Chow wegen seines besonders zarten Fleisches sehr begehrt war.

Der Asiate erobert die westliche Welt

Angehörige der westindischen Kolonialverwaltung sollen um 1780 die ersten Chow-Chows nach Großbritannien mitgebracht haben. Der ausgeprägte Jagdtrieb passte sich der neuen Situation nahtlos an: Anstelle von Leoparden riss er nun Schafe und das Geflügel englischer Landwirte. Um 1820 befanden sich die ersten Exemplare im Londoner Tiergarten, wo sofort viele Menschen Gefallen an diesem außergewöhnlichen Hund fanden. Selbst Königin Victoria verliebte sich spontan und holte Tiere an ihren Hof. Von da an avancierte der Chow zum Luxushund der gehobenen Gesellschaft. Der britische Kennel Club erkannte 1894 die Rasse offiziell an, nachdem 1887 die Reinzucht in England begann. Der Chow wurde auch gekreuzt: Unter seiner Mitwirkung entstand der äußerlich sehr ähnliche Eurasier und der Elo. Nach Deutschland kam die Rasse um 1920, im Jahre 1863 wurden aus dem Ausland Chows zu einer Ausstellung in Hamburg geladen. Der älteste deutsche Zuchtverein ist der Allgemeine Chow-Chow-Club e.V., Rechtsnachfolger des 1930 gegründeten Chow-Chow-Clubs im Deutschen Reich. Seit 1950 besteht die Mitgliedschaft im VDH mit momentan neun Landesgruppen. Der erste amerikanische Chow-Club besteht seit 1906.

Kurzhaar & Langhaar Chow

Die Varietät mit dem üppigen Fell und dem Teddybär-Image steht zugegebenermaßen im Focus, doch gibt es, wenn auch ziemlich selten, einen Kurzhaar-Schlag, der wiederum dem Urtyp vom Aussehen viel näher kommt. Wie bei vielen anderen Rassehunden stilisierte man auch beim Chow zweifelhafte Schönheitsideale hoch, die dem Tier das Leben schwer machen. Eingeschränkte Bewegungsfreiheit folgert aus einer extrem geraden Hinterhand und eine zu kurze Nase behindert die Atmung. Welpen müssen oft per Kaiserschnitt auf die Welt geholt werden, da deren überdimensionaler Kopf nicht durch die natürlichen Geburtswege hindurchpasst. Verantwortungsvolle Züchter wissen das und handeln entsprechend. Auch zukünftige Hundehalter sollten sorgfältig prüfen, woher der Welpe stammt. Zahlreiche Zugriffe und Aufrufe verzeichnet die seriöse Webseite Chow in Not, wo viele erwachsene Tiere ein Zuhause suchen.

Körperbau und Haarkleid

Der Chow-Chow besitzt einen imposanten Kopf, groß und breit, mit kaum ausgeprägtem Stopp. Den mürrischen Gesichtsausdruck (Scowl) bewirken die dicken kleinen Stehohren, die er weit auseinanderstehend über die Augen nach vorn gerichtet trägt. Diese Charakteristik darf allerdings nicht durch faltige Kopfhaut erzeugt werden. Mittelgroß, von ovaler Form und dunkel sollen die Augen sein, bei rehfarbenem und blauem Fell darf die Augenfarbe passend sein. Der gleichmäßig breite, mittellange Fang endet in einem großen Nasenschwamm, der gewöhnlich schwarz ist. Bei fast weißen und cremefarbenen Chows darf die Pigmentierung heller ausfallen, bei rehfarbenen und blauen Exemplaren ist Gleichfarbigkeit erlaubt. Die Schnauze und die Lefzen sind im Idealfall durchgehend schwarz, bei helleren Fellfarben ist die Pigmentierung abgeschwächt. Der kräftige Kiefer besitzt ein vollständiges Scherengebiss, dessen obere Schneidezähne über die unteren greifen. Die Besonderheit der Rasse ist die Blaufärbung des Gaumens und der Zunge. Der kräftige, leicht gebogene Hals trägt den Kopf aufrecht stolz über der waagrecht verlaufenden Rückenlinie. Der Brustkorb ist tief und breit, jedoch nicht tonnenförmig. Der kräftige Körper wird von geraden, muskulösen Gliedmaßen getragen. Der Ellbogen der Vorderhand weist zum Boden sowie zum Widerrist den gleichen Abstand auf. Die Hinterhand ist ebenso wenig gewinkelt mit tiefem Sprunggelenk. Der Chow-Chow steht auf den Zehen seiner kleinen runden Pfoten. Wie bei spitzartigen Rassen üblich, wird die hoch angesetzte Rute über dem Rücken getragen. Es gibt beim Haarkleid zwei Varianten. Den langhaarigen Typ ziert dichtes, gerade abstehendes Deckhaar von eher grober Struktur, das einen üppigen Kragen bildet. Die Hinterläufe sind gut behost. Beim Kurzhaar Chow sind die Deckhaare kürzer abstehend, sodass es mit der dicken Unterwolle ein plüschiges Aussehen vermittelt. Das Haarkleid sollte nicht geschnitten werden, mit Ausnahme der Bewuchs an den Füßen. Bei den Fellfarben sind rot, blau, einfarbig schwarz, weiß und creme zugelassen. Flecken oder Schecken sind unerwünscht, helle Schattierungen an der Unterseite der Rute oder der Behosung sind erlaubt.

Wesen und Charakter des Chow-Chow

Chow-Chows gehören zu den Rassen vom Urtyp, die genetisch stark abgegrenzt sind. Eine frühgeschichtliche Vermischung mit Grauwölfen mag sich bis heute in den Wesenszügen der Rasse widerspiegeln. Diese Hunde sind territorial veranlagt, dominant bis zeitweilig stur, dabei gleichzeitig ruhig und reserviert gegenüber Fremden. Fühlt der Chow-Chow sich bedroht, zeigt er weniger oder nicht so eindeutige Warnsignale wie seine Kollegen, sodass Besuchern ein vorsichtiger Umgang nahegelegt wird. Das heißt, man sollte sich dem Hund möglichst von vorn nähern, damit er nicht erschreckt und sich blitzschnell verteidigt. Dank frühzeitiger Sozialisation, am besten in einer Hundeschule, in Verbindung mit der konsequenten, aber liebevollen Erziehung eines erfahrenen Besitzers entwickelt sich der Löwenhund zu einem treuen Begleiter, den so schnell nichts aus der Ruhe bringen kann – es sei denn, bei einem Spaziergang durch die Natur entdeckt er einen Hasen. Dann kommt aus dem gewöhnlich nicht so lauffreudigem Vierbeiner ein unbändiger Jagdtrieb wie bei einem Terrier hervor, sodass man ihn im Gelände zumindest an der Schleppleine behalten sollte. Als Familienhund in einer Wohnung integriert er sich meist gut, er ist kinderlieb und charmant. Gassirunden brauchen nicht so lang auszufallen, dafür mag er lieber einmal öfters hinausgehen. Da die Rasse ursprünglich aus dem sibirisch-asiatischen Raum stammt, wird Wärme mit dem dicken Haarkleid als sehr unangenehm empfunden. Auch schnelle Hundesportarten können auf Dauer Überhitzung hervorrufen, wenn er sich überhaupt dazu motivieren lässt, und seine steilen Kniegelenke sind für ausgedehntes Rennen oder Springen relativ ungeeignet. Die Stärken des Chow-Chows liegen in der Rettungs- und Suchhundearbeit, beim Bewachen von Grundstücken und als Behördenhund.

Die Gesundheit

Häufiger zu beobachten sind nach innen eingerollte Augenlider, die den Augapfel permanent reizen und daher stark tränen. Das sogenannte Entropium kann operativ korrigiert werden. Wie bei den anderen Vertretern der asiatischen Gruppe (Akita, Shar Pei, Dingo und Shiba Inu) kann eine natürlich veranlagte Mikrozytose auftreten. Dabei handelt es sich um verkleinerte rote Blutkörperchen, die gleichzeitig in zu geringer Menge im Blut vorhanden sind. Aufgrund des dicken Fells können besonders im Sommer Ekzeme auftreten, regelmäßiges Bürsten hilft, totes Haar zu entfernen und die Haut zu belüften. Einige Besitzer lassen kurzerhand das Winterfell ihres Chows (entgegen dem Rassestandard) kurz scheren, um ihm die warme Jahreszeit erträglicher zu gestalten. Wenn Junghunde in den ersten Monaten körperlich zu stark belastet werden, beispielsweise durch Treppensteigen, kann sich daraus eine Patellaluxation oder eine Hüftgelenkdysplasie entwickeln, die ihrerseits auch vererblich ist. Verantwortungsbewusste Züchter und Halter lassen regelmäßige Vorsorge-Checks durchführen, um genannte Störungen frühzeitig zu erkennen und erfolgreich zu behandeln.

Der Chow-Chow im Überblick

  • Herkunft: China
  • Patronat: Großbritannien
  • FCI Standard Nr. 205, Gruppe 5 Spitze und Hunde vom Urtyp, Sektion 5: Asiatische Spitze und verwandte Rassen
  • Alternative Namen: Löwenhund, Wonk, Hek She, Lang Kau
  • Widerristhöhe: Rüde 48 cm – 56 cm, Hündin 46 cm – 51 cm
  • Haarkleid Langhaar: grobes, gerades Deckhaar mit dichter Unterwolle
  • Haarkleid Kurzhaar: abstehend, plüschartig dicht
  • Fellfarbe: rehfarben, einfarbig schwarz, blau, rot, weiß, creme, oft schattiert
  • Augen: ovale Form, dunkel oder an die hellere Fellfarbe angeglichen
  • Ohren: aufrecht getragen, klein, dick, an den Spitzen abgerundet
  • Körperbau: kräftig, kurz, gerader Rücken
  • Einsatz: Hütehund, Schlittenhund, Spürhund, Begleithund
  • Charakter: ruhig, zurückhaltend, eigenwillig, sehr wachsam
  • Gesundheitsrisiken: Entropium, Hüftgelenkdysplasie, Ekzeme, Mikrozytose, Patellaluxation
  • Lebenserwartung: 9 – 12 Jahre

Bild: © Depositphotos.com / Photocreo

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