Langhaarcollie

Langhaarcollie – Hunde-Freunde.com

Der Langhaarcollie besticht zuerst durch sein elegantes Erscheinungsbild und sein farbintensives, wunderschönes Fell. Doch auch über seine charakterlichen Eigenschaften kann nur Gutes berichtet werden. Diese Rasse ist bei liebevoller Erziehung umgänglich und auch für Anfänger geeignet, die genügend Zeit zur Verfügung haben. Als berühmtester Hund der Welt gilt die Hündin „Lassie„, die in zahlreichen Büchern, Filmen und Fernsehserien die Hauptrolle spielte.

Die Herkunft des Langhaarcollies

Im frühen Mittelalter kamen die ersten Collies mit den römischen Eroberern nach Europa. Auf der langen Reise verpaarten sie sich mit heimischen Spitzen, die von den Alpen bis nach Nordeuropa verbreitet waren. Mit den Wanderungen der Germanen erreichten die Hunde Island und das heutige Großbritannien, wo sie über Jahrhunderte als Herdenschutzhunde von Schafzüchtern eingesetzt wurden. Durch die Insellage wurden weitere Vermischungen ausgeschlossen, sodass es den Viehbauern des schottischen Hochlands gelang, die rassetypische Farbgebung des Fells zu entwickeln. Damit waren die Hunde auf den weiten Weidegründen und Moorgebieten besser zu sehen, wenn sie in unzugänglichem Gelände Herden von 400-500 Colley-Schafen hüteten. Diese schwarz-weißen Schafe sind Namensgeber der Hunderasse. Aus dem Colley-Dog wurde der Collie, wobei das altenglische „Coll“ für „schwarz“ steht. Sein ruhiges und eigenständiges Wesen verdankt der Collie ebenfalls den Zuchtzielen der damaligen Schäfer. Es kursieren Theorien über die Einkreuzung von Setter, Neufundländer und Spaniel, die allerdings unwahrscheinlich sind, da nicht allein das Haarkleid vererbt wird, sondern auch typische Charakterzüge.

Die erste schriftliche Erwähnung

Der bekannte französische Naturwissenschaftler Comte de Buffon beschrieb zum Ende des 17. Jahrhunderts den Collie: Die Zuchtauslese lag auf Exemplaren, die besondere Leistungsfähigkeit, Genügsamkeit, Klugheit und körperliche Voraussetzungen mitbrachten. Die Hunde mussten sich flink und ausdauernd bewegen, um die Schafe zusammenzuhalten. Dazu mussten sie unermüdlich laufen und bei jedem Wetter im Gelände einsatzfähig sein. So bevorzugten Rinderzüchter im Tiefland größere Hunde, die die Herde zum Melken auf den Hof zurücktrieb. Es wurde berichtet, dass ein guter Collie ungemolkene von den noch wartenden Kühen unterscheiden konnte. Die Weidewirtschaft im felsigen Hochland hingegen erforderte wendige, kleinere Hunde. Um die Haushaltskasse aufzubessern, verkauften die Bauern besonders hübsche Welpen auf dem Markt und auch Welpen mit zu wolligem Fell, ungeeignet für die Arbeit im Freien, fanden schnell neue Besitzer. Bald entstand eine große Nachfrage nach den intelligenten Collies mit üppigem Haarkleid und sie wurden auf den ersten Ausstellungen gezeigt. Eine weitere genaue Rassebeschreibung stammt von einem Mr. Burns, der vor gut 150 Jahren den Collie in seiner Urform beschrieb.

Zwei Zuchtlinien entstehen

Die Gründung des ersten Züchtervereins fand 1840 mit dem „Collie Club“ statt, 1858 erfolgte die Anerkennung als eigenständige Rasse. Der Collie stieg in rasantem Tempo vom einfachen Arbeitstier zum Modehund der gehobenen Gesellschaft auf. Erstmals meldete 1861 ein Mister Siviter seinen Collie „Jeho“ zur Birmingham Dog Show an und stellte ihn in der Klasse „Sheepdogs of all Varieties“ aus – eine eigene Klasse für Collies wurde erst später eingerichtet. Zehn Jahre später, 1871, gab es bereits getrennte Klassen für die zwei Varietäten Langhaar und Kurzhaar. Zu diesem Zeitpunkt tritt „Old Cocky“ als Stammvater aller Collies in Erscheinung. Sein Körperbau entsprach noch nicht dem heutigen Standard: Der Rumpf war kurz, gedrungen und massiv, der Oberschädel breit ausgebildet. Er wies jedoch bereits das dicke weiße Brusthaar und die weiße Halskrause auf. Ab 1877 erfolgte die Trennung in verschiedene Ausstellungsgruppen. Die getrennte Klassifizierung von Kurz- und Langhaar-Collies setzte der Britische Kennel Club 1895 fest. Der erste Kennel-Club Großbritanniens entstand 1881 unter dem Vorsitz des Prinzen of Wales.
In den letzten 40 Jahren des 18. Jahrhunderts entstanden mit Kurzhaar und Langhaar zwei Zuchtlinien mit dem heute bekannten Aussehen. Der lange, schmale Kopf und das schlanke Gebäude entstanden durch das Einkreuzen des russischen Windhundes Barsoi. Die endgültige Entwicklung schloss mit „Metchley Wonder“ über vier Generationen nach „Old Cocky“ relativ schnell ab. Der erste Rassestandard für Langhaar-Collies wurde 1881 festgelegt und vom FCI übernommen.
Im neu besiedelten Amerika und der damaligen britischen Kronkolonie Australien bildeten importierte Collies, die auf abgelegenen Farmen lebten, neue Farbschläge in schwarz und weiß aus. Eine andere Fellstruktur, eine breitere Gesichtsform als auch der Körperbau ist kräftiger und liegt mit der Schulterhöhe bei 61 – 66 cm. Da dieses nicht dem britischen Standard entsprach, gründeten die Amerikaner daraufhin ihren eigenen Collie-Club. In Australien zählt der Collie als Stammvater der lokalen Rassen Kelpie und Cattle Dog. Der Kurzhaar Collie ist eine eigene Rasse, die jedoch den gleichen Ursprung und gemeinsame Ahnenlinien mit dem Langhaar-Collie aufweist. Er ist im Schnitt 5 – 8 kg schwerer als die langhaarige Variante.

Queen Victorias Lieblingshunde

Die ständig wachsende Beliebtheit dieser Hunde erreichte schließlich das englische Königshaus, als Queen Victoria bei einem Besuch ihres schottischen Anwesens Balmoral großen Gefallen an diesen eleganten Hunden fand. Die Monarchin wurde selbst aktiv und gründete den Royal Balmoral Kennel. Daneben unterstützte sie intensiv die noch jungen Zuchtbemühungen und verschenkte Collies in die USA, an die wichtigsten europäischen Adelshäuser und auch der russische Zar Alexander II erhielt einige Exemplare. Dieser schickte der königlichen Zucht 1893 als Gegengeschenk 18 Barsois, die Queen Victoria auf Schloss Sandringham züchtete und auch mit ihren Collies kreuzte. Dem idealen Schönheitsideal entsprach der königliche Collie mit Namen Ch. Balmoral Rex, ein Tricolor mit rotem Haarkleid am Kopf. Victorias Favoriten jedoch waren „Gypsie“ und „Noble“. Ihre Liebe zu den beiden Collies würdigte die Queen mit Grabstätten, 1868 im Windsor Park für ihre Hündin und 1887 in der Nähe von Schloss Balmoral mit einer lebensgroßen Bronzestatue für ihren Rüden mit der Inschrift „dear and faithful companion of Queen Victoria“(Lieber und treuer Begleiter der Königin Victoria).

Der Collie im Kriegsdienst

Eine Reihe von Kritikern schlossen von der Kopfform auf unterdurchschnittliche Intelligenz, doch diese Behauptung wurde selbstverständlich überzeugend entkräftet, vor allem durch die Förderin der Rasse Queen Victoria. Das beste Beispiel für seine vielfältigen Qualitäten ist der Einsatz von Collies als Helfer im Kriegsdienst. Während des Ersten Weltkrieges setzten die britischen Streitkräfte diese Hunde im Melde- und Sanitätsdienst ein, wodurch die Leben tausender Soldaten gerettet wurden. Für direkte Kampfeinsätze wurden Collies jedoch nicht eingesetzt. Zur gleichen Zeit begann ein Konkurrenzkampf gegenüber dem Deutschen Schäferhund. Der damalige Nationalstolz der Deutschen verlangte bei der Polizei und dem Militär nach einer ursprünglich deutschen Hunderasse, aufgrund dessen der britische Collie als Arbeitshund im Behördendienst verdrängt wurde. Zudem legten die Colliezüchter den größten Wert auf das schöne Erscheinungsbild, um Erfolge auf Ausstellungen zu erzielen und somit viel Geld durch den Verkauf der Luxushunde zu verdienen. Seine guten Eigenschaften als Arbeitshund waren weniger bedeutsam, aber das heißt nicht, dass diese Begabungen verloren gingen. Neue Arbeitsaufgaben oder die Eignung als Sporthunde wurden allesamt erfolgreich bestritten.

Körperbau und Haarkleid

Die keilförmige Kopfform des Collies soll im Ganzen betrachtet ausgewogen proportioniert sein und seine Größe im harmonischen Verhältnis zum Körper stehen. Besonders die Dimension des Schädels vom unteren Kieferbereich bis zu den Augenbrauen darf kein Übermaß im Verhältnis zum Vorgesicht aufweisen. Der Schädel ist flach und geht in einen leichten, jedoch wahrnehmbaren Stopp über. Kleine Ohren werden in der Ruhe zurückgelegt, jedoch bei Aufmerksamkeit aufgerichtet und nach vorn gedreht. Dabei kippt das obere Drittel der Ohrmuschel nach vorn um. Schräg eingesetzte, mandelförmige Augen von dunkelbrauner Farbe verleihen dem Gesicht seinen klugen und lebhaften Ausdruck. Bei merlefarbigen Collies ist häufig ein oder beide Augen von blau gefleckter Farbe. Ein immer schwarzer Nasenschwamm bildet das Ende des schlanken Fangs, dessen kräftige Kiefer ein vollständiges Scherengebiss aufweisen. Gut gewölbt und muskulös geht der angemessen lange Hals in den Körper über. Das Gebäude ist länger als hoch, mit tiefer Brust und gut gewölbten Rippen. Nach den leicht gewölbten Lenden schließt sich die lange Rute an, die mindestens bis zu den Sprunggelenken reicht. Mit leicht angehobener Spitze wird sie in der Ruhe tief getragen, bei Aufmerksamkeit angehoben, jedoch niemals über dem Rücken getragen. Mit mäßig starken, runden Knochen verlaufen die Vorderbeine gerade und münden in ovalen Pfoten. Die kraftvolle Hinterhand weist ein gut gewinkeltes Knie sowie sehnige Unterschenkel auf, ein guter Schub resultiert in dem typischen raumgreifenden, fließenden Gang. Das dichte Haarkleid besteht aus glattem, harten Deckhaar mit pelziger, weicher Unterwolle. Halskrause und Mähne sind üppig, das Gesicht ist kurz behaart. Die Vorderläufe sind gut befedert, die Hinterhand oberhalb der Sprunggelenke stark behaart, unterhalb glatthaarig. Ebenso reichlich behaart ist die Rute. Es gibt drei anerkannte Farbschläge:

  • Zobel erlaubt jede Nuance von hellem Gold bis Mahagoni oder zobelfarben. Unerwünscht sind Creme- oder helle Strohfarbtöne.
  • Dreifarbig sollte vorwiegend schwarz mit intensiv lohfarbenen Abzeichen an Beinen und Kopf ausfallen. Höchst unerwünscht ist rostroter Schimmer im Deckhaar.
  • Blue Merle zeigt eine schwarz marmorierte Zeichnung oder schwarze Flecken auf vorwiegend klarer, silbrig-blauer Grundfarbe. Erwünscht sind satte lohfarbene Abzeichen, ihr Fehlen wird akzeptiert. Ein Rostschimmer, Schieferfarbe und große schwarze Platten im Deckhaar sowie in der Unterwolle sind unerwünscht.

Bei allen Farbvarianten sollte der Weißanteil an der Halskrause, ganz oder teilweise an den Läufen und Pfoten, der Rutenspitze sowie der Brust vorhanden sein. Blessen auf dem Schädel oder dem Vorgesicht dürfen vorhanden sein. Überwiegend oder komplett weißes Haarkleid ist unerwünscht. Verantwortungsvolle Züchter verzichten zudem auf die Verpaarung von sablefarbigen mit merlefarbigen Tieren, da das Risiko blind oder taub geborener Welpen sehr hoch ist.

Wesen und Charakter des Langhaarcollies

Der Langhaarcollie baut zu Familien mit Kindern genau so gut wie zu älteren allein lebenden Menschen oder dem Sportfan eine enge Beziehung auf. Er braucht Familienanschluss und kann durchaus auch in einer Wohnung gehalten werden, wenn man sich ausreichend mit ihm beschäftigt. Sein ausgeglichenes Wesen und die vererbte Beißhemmung stammen noch aus seiner Zeit als Schäferhund. Heute hütet er an Ermangelung von Viehherden gerne seine Familie, auch mit Kindern und anderen Haustieren arrangiert er sich gut. Die Erziehung dieses klugen Hundes sollte nicht allzu schwierig sein, wenn sie spielerisch und interessant abläuft. Seine Motivation kann unter psychischem Druck oder bei eintönigen, immer wiederkehrenden Übungen in Sturheit umschlagen. Alles Drohen und Schreien verhallt dann ungehört im Winde oder wird kurzerhand als Dummheit ausgelegt. Auch eine gewisse Eigenständigkeit hat der Langhaarcollie behalten, doch er wird sich bei Spaziergängen in der Natur kaum von seinem Menschen entfernen, um einem Hasen nachzujagen. Einen Jagdtrieb hat diese Rasse nicht, und bei jeder Gelegenheit ausreißen und umherstreunen ist normalerweise nicht ihr Naturell. Als Hütehund braucht er täglich mindestens zwei Stunden Auslauf, wo er ohne Leine rennen und sich austoben kann. Der an sich freundliche Collie zeigt seinen Schutzinstinkt, wenn Gäste ins Haus kommen, die ihm nicht ausdrücklich vorgestellt werden. Collies bewachen auch heute noch Haus und Hof, so wie es früher auf den Farmen ihre Aufgabe war. Daher kommt auch eine gewisse Bellfreudigkeit, mit der jeder vorbeilaufende Passant, die Nachbarskatze oder der Briefträger gemeldet wird.

Die Gesundheit

Seit Beginn der 1980er Jahren ist bei einigen Collies eine Unverträglichkeit gegen Parasitenschutzmittel, die den Inhaltsstoff Ivermectin enthielten, aufgetreten. Die Nebenwirkungen reichten von Erbrechen, Bewegungsstörungen, Koma bis hin zum Tode. Andere Collies hingegen haben das Medikament gut vertragen und äußerlich war nicht zu ersehen, welche Tiere betroffen sind. Inzwischen haben Forschungen einen Defekt am MDR1-Gen als Ursache dieser Überempfindlichkeit bestimmt und einen Gentest entwickelt. 76% der Collies weisen demnach diesen Gendefekt auf. Ebenfalls genetisch bedingt ist die Collie Eye Anomaly bei Junghunden. Dabei tritt eine Schädigung des Augenhintergrundes auf, die zu Netzhautablösung und Erblindung führen kann. Die Erbkrankheit Dermatomyositis betrifft fast nur Welpen und Junghunde. Bei dieser Autoimmunkrankheit bilden sich nicht schmerzhafte Geschwüre auf der Haut, in fortschreitendem Stadium kommt es zu Muskelschwund. Ein leichter Krankheitsverlauf kann von allein ausheilen, mittlere und schwere Fälle können medikamentös und mit Physiotherapie behandelt werden.

Der Langhaarcollie im Überblick

  • Herkunft: Großbritannien
  • FCI Standard Nr. 156, Gruppe 1 Hütehunde und Treibhunde ohne Schweizer Sennenhunde, Sektion 1 Schäferhunde
  • Alternative Namen: Collie Rough, Schottischer Schäferhund
  • Widerristhöhe: Rüde 56 – 61 cm, Hündin 51 – 56 cm
  • Gewicht: 18 – 30 Kilo
  • Haarkleid: pelzige Unterwolle und glattes, hartes Deckhaar
  • Fellfarben: Rotnuancen von sandfarben bis mahagoni, Tricolor (weiß, schwarz, rot), Blue-merle marmoriert
  • Augen: mandelförmig, mittelgroß, dunkelbraun. Bei Merlefarbe ein oder beide Augen blau
  • Ohren: kleinere Kippohren
  • Körperbau: etwas länger als hoch
  • Einsatz: Familienhund, Wachhund, Schäferhund, Hundesport
  • Charakter: ruhig, freundlich, aktiv, eigenständig
  • Gesundheitsrisiken: genetischer MDR1-Defekt, Dermatomyositis
  • Lebenserwartung: ca. 12 Jahre

Bild: © Depositphotos.com / Madrabothair

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