Shar-Pei

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Shar-Pei, die uralte Hunderasse mit chinesischen Wurzeln, zieht mit ihrem einzigartigen, faltigem Gesicht und der dicken Schnauze sämtliche Blicke auf sich. Der mürrisch wirkende Ausdruck täuscht jedoch: Shar-Peis sind anhängliche und ruhige Hunde, die sowohl für Einzelpersonen als auch für Familien mit Kindern geeignet sind.

Die Herkunft des Shar-Pei

Um die Entstehung der Rasse existieren zwei Theorien. Beiden gemeinsam ist jedoch das Ursprungsland China, genau gesagt die Südküste zum Chinesischen Meer. In 2000 Jahre alten Niederschriften der Stadt Dialak in der Provinz Kwun Tung sollen erstmals Shar-Peis erwähnt worden sein. Die erste Erklärung beruft sich auf Grabbeigaben aus der Hun Dynastie von 202 v.Chr. – 220 n.Chr. in Form von Standbildern und kleinen Figuren. Sie stellen Hunde dar, die allerdings auch anderen chinesischen Rassen wie Shih-Tzu, Mops oder Chow-Chow zugeordnet werden könnten. Eindeutige schriftliche Belege sucht man vergebens, was aber auch daran liegen mag, dass der Shar-Pei damals nur geringe Wertschätzung erfuhr, weil er ein Jagd- und Wachhund der einfachen Leute war. Zu dieser Zeit fand die einfache Landbevölkerung Gefallen an Hundekämpfen, für die Shar-Peis gezüchtet und abgerichtet wurden. Um die an sich ruhigen und friedlichen Tiere aggressiv und schmerzfrei zu machen, flöste man ihnen Drogen und Alkohol ein. Für den Kampf waren die körperlichen Voraussetzungen wie geschaffen: Die kleinen anliegenden Ohren und die von Hautwülsten umgebenen Augen boten den Gegnern wenig Angriffsfläche. Hartes, borstiges Fell machte ein Zubeißen unangenehm, zumal die Haut den Körper sehr locker umgab, sodass sich der festgehaltene Kontrahent zur Gegenwehr noch genügend bewegen und drehen konnte. Shar-Pei heißt in chinesischer Sprache so viel wie „Sandhaut-Hund“.

Aufstieg und Untergang der Rasse in China

Verfechter der zweite Theorie vermuten, dass der Shar-Pei eine relativ junge Spezies ist. Im 19. Jahrhundert öffnete sich China langsam der westlichen Welt. Fremde Rassen kamen ins Land, die vor allem gewissenlose Geschäftemacher mit dem ursprünglichen Shar-Pei kreuzten, um ihm eine Überlegenheit bei den Hundekämpfen anzuzüchten. Der mächtige molossoide Kopf und der muskulösere Körper entstammen wahrscheinlich dem Zutun von Mastiff, Boxer und Staffordshire Bull Terrier. Und da wäre auch noch eine Gemeinsamkeit mit dem Chow-Chow, die sonst bei keiner anderen Rasse auftritt: die blauschwarze Färbung von Zahnfleisch, Gaumen und Zunge. Diese gefährlichen Kampfmutanten waren natürlich gewöhnlichen Shar-Peis im Hundekampf haushoch überlegen, sodass in China niemand mehr Interesse an der regionalen Rasse hatte. Im Gegensatz zu ihrem Heimatland fanden die exotischen Hunde in der westlichen Welt immer mehr Liebhaber.
Da nur ausgesuchte Exemplare als Kampfhunde aufgebaut wurden, sind nicht etwa die Hundekämpfe für den dramatischen Rückgang der Population in China verantwortlich. Vielmehr spielten die sich ändernden politischen Verhältnisse die ausschlaggebende Rolle. Der aufstrebende Kommunismus befand den Shar-Pei und auch alle anderen Hunde als unerwünschtes und überflüssiges Statussymbol. Das Regime stufte die Zucht als kleinbürgerliche Entartung ein und belegte sie 1947 mit so hohen Steuern, dass in den folgenden Jahren die Rasse fast verschwunden war.

Rettung in letzter Minute

Das es die Rasse überhaupt noch gibt, ist das Verdienst einer kleinen Gruppe chinesischer Hundefreunde. Der aktive Züchter Mr. C. M. Chung und Mr. Matgo Law, der dabei war, einen Kennel aufzubauen, machten sich Anfang der 1970er Jahre überall im Land auf die Suche nach Shar-Peis. Sie fanden nur wenige Tiere in abgelegenen ländlichen Gebieten Südchinas, ein Hundekampforganisator schenkte einen Hund, ein sehr kranker junger Rüde stand auf dem Wochenmarkt zum Verkauf und ein einziger weiblicher Welpe aus dem letzten Wurf einer aufgegebenen Zucht konnte in Macao dazugekauft werden. Das Ziel der Züchter war es, die sehr begrenzte Anzahl vorhandener Hunde zu erweiternden und den ursprünglichen Shar-Pei in Charakter und Körperbau zu erhalten. Reinrassige Exemplare zu finden war fast unmöglich und es gab so gut wie keine Ahnentafel, wenn einfache Kleinbauern ein Exemplar hielten. 1971 hatte Mr. Matgo Law die zündende Idee: Er veröffentlichte einen Hilferuf über die amerikanische Zeitschrift „Dog“ mit der Bitte an alle Hundefreude der Welt, den Erhalt des Shar-Pei zu unterstützen. Die beigefügten Fotos der bis dato unbekannten Rasse schlugen wie ein wie eine Bombe. 1980 verkaufte Law die ersten Hunde, unter anderem seinen preisgekrönten Rüden, den er damals schwach und verwahrlost vom Markt kaufte, dem Amerikaner Mr. Beauchamp. Der Grundstein der Shar-Pei-Zucht amerikanischen Linie war gelegt und die vielen Nachfragen lösten einen regelrechten Boom aus – der seltene chinesische Faltenhund avancierte in kürzester Zeit zum neuen Statussymbol der Oberklasse.

Der Shar-Pei kommt nach Deutschland

Etwa zur gleichen Zeit, 1979, trifft in Hamburg der erste Shar-Pei Deutschlands ein. Auch hier entbrennt sofort hohes Interesse und die chinesischen Hunde werden in allen Medien vorgestellt. Sogar ins Guiness-Buch werden sie als seltenste Rasse aufgenommen. Natürlich steigen die Preise ins Unermessliche, für einen Shar-Pei sollen Preisklasse eines Mittelklassewagens erreicht haben. Um das Außergewöhnliche optimal zu vermarkten, wurden der Rasse die unglaublichsten Besonderheiten, was empfindliche Gesundheit, Haltung und das Wesen angeht, angedichtet. Nachdem sich die Wogen geglättet hatten, kann man heute sagen, es gibt eine beständige Anzahl verantwortungsbewusster Züchter, die sich dem Shar-Pei verschrieben haben. Trotzdem sollten Interessenten genau hinschauen und sich umfassend informieren, da beispielsweise übermäßige Faltenbildung im Gesicht eine züchterische Entgleisung ist, die in manchen Fällen einer strafbaren Qualzucht gleichkommt.

Es gibt zwei Rassestandards

Der amerikanische FCI übernahm im Januar 1994 den Standard Nr. 309 des Hong Kong Kennel Club (HKKC) für den Shar-Pei. Demnach hat die Rasse (Fachausdruck: Knochenschnauze – bonemouth) ihren Ursprung in China und untersteht der Schirmherrschaft Hong-Kongs. Aus unbekannten Gründen änderte der FCI diese Vorgaben 1999 entsprechend dem eigenen Shar-Pei-Standard (Fachausdruck: Fleischschnauze – meatmouth) ab und gab sich selbst das Patronat. Viele Fragen bleiben unbeantwortet und alle Änderungen wurden einseitig ohne Einbeziehung des HKKC durchgeführt. Die wichtigsten Unterschiede sind:

FCI Nr. 309/1994FCI Nr. 309/1999
Ursprung:ChinaUSA
Temperament:aktiv, agil (Verwendung als Jagd- u. Wachhund)ruhig, liebevoll (Begleithund)
Widerristhöhe:48 cm – 58 cm44 cm – 51 cm
Gewicht:18 kg – 29,5 kgk.A.
Kopf:nicht zu groß im Verhältnis zum Körpersehr groß im Verhältnis zum Körper
Rücken:stark, gerade (als Jagdhund)schräg zurückgeneigte Schultern, um den schweren Kopf auszubalancieren
kurzer Horsecoat wird dem Brushcoat vorgezogenBrushcoat wird dem Horsecoat vorgezogen
Schnauze:spitz zulaufend erlaubt (Toad Mouth, Krötenmaul)Spitze Schnauze: zuchtausschließender Fehler
Füße:Afterklauen an Hinterläufen erlaubtFrei von Afterklauen
Fellfarbe:andersfarbige Schattierungen erlaubtAußer weiß werden alle einfarbigen Fellfarben anerkannt.

In der ganzen Welt wird der Shar-Pei westlicher Prägung von Züchtern als das Maß aller Dinge bewertet. Im Januar 1998 überarbeitete der AKC den Standard erneut und der FCI übernahm die Änderungen ein Jahr später unter der Nr. 309/1999. Letztendlich kann man sagen, der traditionelle chinesische Schlag und die amerikanische Linie bestehen nebeneinander weiter, da ein komplettes Ersetzen des einen durch den anderen Standard aufgrund der Unterschiede in Fell, Kopf und Schwanz nicht praktikabel ist.

Der Charakter des Shar-Pei

Die mittelgroße Rasse ist gut für die Wohnungshaltung geeignet, ein Haus mit Garten wäre ideal. Zwingerhaltung allerdings tut dem Shar-Pei nicht gut, da er sehr eng mit seinen Menschen verbunden ist und sich jedem einzelnen Familienmitglied anpasst: Mit Einem wird auf dem Teppich gerauft, mit dem Anderen liebevoll geschmust und dem Dritten lockt man Leckerli außer der Reihe heraus. Clevere Exemplare bringen es allerdings fertig, die Familienmitglieder gegeneinander auszuspielen. Entweder darf er auf den Sessel, oder nicht: Bei der Erziehung muss Einigkeit herrschen. Der Shar-Pei hat nicht nur das Aussehen eines Molossers, sondern weitgehend auch dessen Wesenszüge. Er strahlt Ruhe und Gelassenheit aus, ist eher zurückhaltend und er bellt nur, wenn er etwas Ungewöhnliches in seiner Umgebung bemerkt. Schon bei der Auswahl des Welpen ist das Temperament ersichtlich, daher wird der Züchter einem älteren Ehepaar, dem sportbegeisterten Single oder der Familie mit Kindern das passende Tier aus dem Wurf empfehlen. Der Shar-Pei ist von Natur aus reinlich, aber wasserscheu. Bei früher Gewöhnung werden Spaziergänge im Regen und das Baden als notwendiges Übel erduldet. Beim Urlaub am Meer oder wenn er wie andere Hunde Stöcke aus dem See apportieren soll, wird der Dickkopf hervorkommen. Kommandos unterwürfig ausführen ist nicht seine Art. Mit konsequenter Erziehung und vielen Wiederholungen lernt der Welpe schnell. Dazu reift in dem intelligenten, etwas dominanten Hund letztendlich die Erkenntnis, dass es bei Befolgen der Kommandos bei Halter und Hund weniger Stress gibt.

Körperbau und Haarkleid

Im Verhältnis zum Körper ist der Kopf groß, wobei die Gesichtsfalten in die Wamme übergehen. Der Schädel ist flach und breit mit mäßigem Stopp. Kleine aber dicke, dreieckige Kippohren sind in weitem Abstand hoch über den mandelförmigen Augen angesetzt. Das besondere Merkmal dieser Rasse ist die bis zur Nasenspitze hin breite Schnauze mit den fleischigen Lefzen, die Unterlippe darf den Biss nicht beeinträchtigen. Der große Nasenschwamm sollte schwarz sein oder bei verdünnten Fellfarben die gleiche Nuance aufweisen. Geöffnete Nasenlöcher sind erlaubt. Eine weitere Eigenart ist die blauschwarze Färbung von Zunge und Zahnfleisch, bei dilutfarbigem Fell zeigt sich eine Lavendelfarbe. Der stark ausgeprägte Kiefer weist ein Scherengebiss auf. Der mittellange Hals geht über in einen festen Nacken, einen tiefen, voluminösen Brustkorb und einen kurzen Rücken. Die Rückenlinie fällt leicht hinter den Schultern ab und steigt über den leicht gebogenen Lenden wieder an. Die sehr hoch angesetzt Rute wird eng geringelt oder erhoben getragen. Gut ausgebildete Gliedmaßen mit mäßig gewinkelten Hinterläufen. Das Fell darf 1 – 2,5 cm kurz sein, es ist borstig und ohne Unterwolle. Alle einheitlichen Farben sind erlaubt. Die Hüfte und die Rute sind oftmals etwas heller, ebenso wird dunklere Färbung an Ohren und Rücken akzeptiert. Fehler im Äußeren sind unter anderem eine spitze Schnauze, eine komplett rosa Zunge, weiches Fell, Stehohren und beim erwachsenen Tier unerwünschte Faltenbildung am Körper.

Die Gesundheit

Eine möglicherweise genetisch bedingte Hauterkrankung, Idiopathische Muzinose, kommt beim Shar-Pei vor. Dabei entstehen veränderte Zellen innerhalb der Hautschichten, begleitet von Rötungen, starkem Juckreiz und Pusteln. Aufgrund des relativ kleinen Genpools ist die Rasse außerordentlich anfällig für FSF (Familial Shar Pei Fever), einer periodisch auftretenden Erkrankung mit hohem Fieber, Erbrechen, Durchfall und Schwellungen an der Schnauze oder den Sprunggelenken. Amyloidose entsteht als Folge der körperlichen Überreaktion bei FSF, wenn zu große Menge von Abbauprodukten der Entzündungen im Gewebe eingelagert werden. Bei häufigem Auftreten wächst die Gefahr von Nierenversagen. Eine genaue Prüfung der Tiere vor der Verpaarung hilft diesen Krankheitsbildern entgegenzuwirken. Tritt bei Welpen übermäßige Faltenbildung im Augenbereich auf, werden für kurze Zeit die Lidfalten getackt, d.h. mit einigen Stichen fixiert. Das Wegschneiden überflüssiger Haut ist unvernünftig, da erwachsene Tiere in ihr Fell hineinwachsen. Fehlt später etwas, kann sich das Lid nach innen rollen und das Auge durch die dauernde Reibung der Wimpern chronisch entzünden (Entropium). Für die Fellpflege reicht bürsten mit der Kontrolle aufeinanderliegender Hautfalten auf Parasiten und Feuchtigkeit. Der Ohrenpflege sollte besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, denn unter den kleinen und eng am Kopf anliegenden Ohren entsteht feuchtwarmes Klima, wo Infektionen auslösende Bakterien in den Ablagerungen idealen Nährboden finden.

Der Shar-Pei im Überblick

  • Herkunft: China
  • FCI Standard Nr. 309, Gruppe 2 Pinscher und Schnauzer, Molossoide, Schweizer Sennenhunde und verwandte Rassen. Sektion 2: Molossoide, doggenartige Hunde
  • Widerristhöhe: Rüde 44 cm – 51 cm
  • Gewicht: 17 kg – 25 kg
  • Haarkleid: kurzes, drahtiges Haar
  • Fellfarbe: einfarbig dunkelbraun, schwarz, rot, hellbraun, creme
  • Augen: dunkelbraun mandelförmig, bei verdünnter Fellfarbe hellere Augenfarbe
  • Ohren: kleine, eng anliegende Kippohren
  • Körperbau: molossoid, muskulös
  • Verwendung: Begleithund, Wachhund, Jagdhund
  • Charakter: anhänglich, etwas eigensinnig, ruhig
  • Gesundheitsrisiken: Idiopathische Muzinose, Entropium, Otitis
  • Lebenserwartung: 9 – 14 Jahre

Bild: © Depositphotos.com / RCerruti

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