Das Kommando „Komm“

Das Kommando „Komm“ – Hunde-Freunde.com

Viele Hundebesitzer haben Schwierigkeit damit, dass die Hunde nicht zu ihnen kommen, wenn sie gerufen werden. Viele Male verkorksen die Besitzer versehentlich ihre wohlmeinenden Absichten durch Verhaltensweisen, die der Hund falsch interpretiert. Hier stellen wir einige typische Situationen vor, die oft nicht reibungslos ablaufen und geben Tipps, sie letztendlich zu korrigieren.

1. Den Hund beim Namen rufen, anstelle des Kommandos „komm“

Oft sieht man Besitzer, die immer wieder den Namen ihres Hundes rufen – „Rocky, Rocky, ROCKY“ … Der Hund schaut dann kurz zu Herrchen oder Frauchen hin und geht dann unbeeindruckt dessen seiner Beschäftigung weiter nach. Hört der Hund seinen Namen, bewirkt das lediglich eine kurze Aufmerksamkeit, ein „huh“, sozusagen. Effektiver ist es daher, das „huh“ mit einem „was“ zu kombinieren. Der Name muss in einem Zug mit dem Kommando zusammen genannt werden, sodass der Hund wie gewünscht reagiert, also zum Besitzer läuft.

2. Der Ton macht die Musik

In diesem Beispiel hat der Besitzer eine Möglichkeit, den Namen langgezogen zu rufen, in einem Tonfall wie „wenn-du-hierher-kommst-gibt-es-etwas-Feines“. Das Herausziehen des Namens klingt dann wie „Roooo – ckyyy“. Dabei sollte man immer versuchen, den Namen des Hundes mit etwas Gutem zu verbinden. Wenn es an der Zeit ist, ihn zu rufen, wird er dann nicht automatisch versuchen, die Person zu ignorieren. Wenn der Hund etwas Unerwünschtes tut , ist ein „Hey!“, „Stopp!“ oder „Pfui!“ angebracht. Der Hundename fällt nicht, wenn er für etwas getadelt werden muss, denn wenn das Tier seinen Namen zu oft hört, schaltet er irgendwann „auf Durchzug“ und reagiert nicht mehr darauf.

3. Der Hund wird fürs Kommen bestraft

Ein Hund gehorcht nicht gut, wenn er schon weis, dass ihn eine Strafe erwartet, wenn er dort ankommt. Man kann öfters die gleichen Szenen beobachten: Der Besitzer ruft viele Male nach dem Hund und wenn er schließlich kommt, tadelt er den Vierbeiner, weil er nach dem ersten, zweiten oder dritten Rufen nicht reagiert hat. Der Hund wird sich genau an den Ablauf erinnern und das Kommen mit Bestrafung verknüpfen. In Zukunft wird viel mehr zögern, auf das Kommando zu reagieren.

4. Der Hund hat nie gelernt, was das Wort „kommen“ bedeutet

Wir Menschen sprechen eine Sprache, die der Hund nicht versteht. Wenn der Halter seinem Vierbeiner fürs Kommen zum Beispiel jedes Mal das Wort „Leckerli“ sagt und ihn belohnt, dann wird der Hund jedes Mal, wenn er „Leckerli“ hört, sich sofort in Bewegung setzen. Das gleiche Prinzip gilt für den Unterricht zu Hunde-Kommandos in Fremdsprachen oder durch Verwendung von Handsignalen ohne Verbalisierung. Der beste Weg, einem Hund den Befehl „kommen“ beizubringen, ist die Verwendung des Wortes, wenn der Hund aus seinem eigenen Willen heraus bereits auf dem Weg zum Halter ist. Auf spielerische Art begreift der Hund am besten, was man von ihm möchte. Man wirft einen Dummy oder einen kleinen Ball, und während der Hund mit dem Spielzeug im Fang begeistert auf seinen Halter zugerannt kommt, verwendet man das Wort „komm!“ Auf diese Weise wird der Hund lernen, „komm!“ bedeutet, sich auf Herrchen oder Frauchen zuzubewegen.“
Dieses Prinzip funktioniert ebenso in vielen anderen Bereichen der Hundeausbildung. Wenn der Hund ein niedliches Kunststück oder einen besonderen Befehl ausführen soll, braucht diese Aktion ein spezielles Stichwort. Soll der Hund ein Vorderbein anheben, sagt man ihm beispielsweise „winke!“ oder soll er ins Auto springen, heißt es „hopp!“ Mit dieser Technik kann man Hunden erstaunliche Tricks antrainieren, ihnen sogar auf Kommando ein Hundelächeln entlocken, aber nur wenn sicher ist, dass für jedes Lächeln einen Snack oder viel Lob gibt. Jetzt braucht man nur noch „Smile“ zu sagen und der Hund zeigt zur großen Freude der Zuschauer sofort sein breites, vergnügtes Grinsen.

5. Die Kommandos sind nicht eindeutig

Im Hunde-Geist gibt es nur schwarz und weiß – es gibt keine Grautöne. Der Hund wird verunsichert, wenn ein Familienmitglied „Rocky komm“ sagt, aber eine andere Person „komm jetzt bitte mal hierher“. Alle Befehle sollten so einfach und präzise wie möglich sein. Ein oder zwei Silben sind am besten. Immer daran denken, Hunde können Sprache und die sinngemäße Bedeutung von Worten nicht verstehen.

6. Das Kommando klingt wie eine Bitte

Ein Befehl ist ein Befehl und keine Bitte. Manche Menschen geben Befehle mit einem flehenden Ton in ihren Stimmen, der sozusagen ein unausgesprochenes „Bitte, ja?“ herüberbringt. Es klingt dann wie „siiiiiiittttttzzzzzzz“ oder „koooommmmm“. Um die Kommandos effektiv zu vermitteln, müssen sie auch akustisch als das klingen, was sie sind: Kommandos. Also legen sich Herren für diese Gelegenheit den Kommandoton eines Feldwebels zu und Frauen hilft es, die Stimmen um ein ein paar Oktaven zu senken. Besitzer können auch üben, das mehr oder weniger zügige Kommen mit unterschiedlicher Intensität der Stimme zu bewirken: „komm, KOMM, KOMM!“ Folgende Situation soll es veranschaulichen: Wenn sich ein 18-Tonner Tieflader mit hoher Geschwindigkeit sich nähert und der Hund spielt mitten auf der Straße, verbleibt die Stimme des Besitzers bestimmt nicht im Plauderton, sondern er wird instinktiv „KOMM!“ schreien, in der Weise von „Komm JETZT!“ Wenn der Hund an ein Kommando in verschiedenen Tonlagen gewöhnt ist, wird er nicht beunruhigt oder verwirrt reagieren, wenn er es hört.

7. Den Hund fürs Kommen immer loben

Komm“ ist derjenige Befehl, den der Hund mit größter Freude ausüben sollte. Manche Hundetrainer trainieren auch die Menschen zum emotional richtigen Umgang mit ihren Tieren: Sie sollen sichtbare Begeisterung zeigen, wenn der Hund angerannt kommt, die Arme hochwerfen und „Juhuu“, „Supi!“, „Ja Fein!“rufen und ihren Liebling mit Liebe und Zuneigung überschütten. Menschen, die nicht in der Lage sind, ihre Begeisterung so überschwänglich zu zeigen, spendieren ihrem Liebling dann eben einen Belohnungssnack für das Kommen. Wenn der Hund gar nicht oder nur sehr lustlos begrüßt wird, warum sollte er dann reagieren oder überhaupt kommen?

8. Mit den Aufgaben wachsen

Um einem Welpen das Kommen beizubringen, sollte er zuerst die Kommandos „sitz“ und „bleib“ erlernen. Während der Kleine sich an der Laufleine befindet, sagt man ihm „komm“ und zieht sanft an der Leine, wenn er einige Schritte in die Richtung des Halter gemacht hat: Begeistertes verbales Loben gehört selbstverständlich dazu. Sobald der Hund von dem Ende einer zwei-Meter-Leine kommt, kann man das Gleiche mit einer drei-Meter-Leine üben. Die Leine wird länger und länger, bis er quer durch den ganzen Garten kommt. Wenn nun der gleiche Hund ohne Leine 50 Meter entfernt wäre und man ihn aufforderte zu kommen, würde er das wahrscheinlich nicht tun. Zu erwarten, dass ein Hund sowohl angeleint aus einer sehr kurzen Entfernung als auch auf eine sehr lange Distanz ohne Leine kommt, wäre das gleiche, als wenn ein Grundschüler der zweiten Klasse losgeht, um das Fach-Abitur zu machen. Sobald die Leine entfernt ist, gibt es überhaupt keine Kontrolle mehr über den Hund. Kommt der Hund nach der ersten Aufforderung nicht her, muss der Besitzer ihn abholen. Das Kommando immer wieder zu wiederholen bringt nichts ein, außer dass der Hund sich angewöhnt, dem Kommando erst nach dem dritten oder vierten Anruf zu folgen. Wir wollen jedoch nach dem ersten Kommando eine Reaktion des Hundes erreichen. In der weiterführenden Ausbildung sollen die Besitzer dem mit dem Rücken zugewandt ihre Kommandos geben, da auch in der Realität meist der Blickkontakt fehlt , wenn er ein Kommando hört – es sei denn, der Hund hat auch hinten ein Paar Augen. Wenn der Vierbeiner das soweit verinnerlicht hat, wird er von überall her zurückkommen.

9. „Komm“ heißt, die Spielzeit ist vorbei

Stellen Sie sich der Hund draußen an der Hundewiese oder am Strand vor, wie er mit all seine Hundefreunden herumtollt. Der Besitzer hat seinen Vierbeiner gerufen, ihn angeleint und mit dem Auto nach Hause gefahren. Wie hat das nun der Hund verstanden? Zu Herrchen kommen heißt, die Party ist zu Ende. Er wird daraufhin viel weniger geneigt sein, das nächste Mal zu seinem Besitzer zu kommen. Um dies zu umgehen, ruft man den Hund mehrmals während einer Spielsitzung heran, lässt ihn „sitz“ machen, gibt ihm ein Leckerli, und entlässt ihn dann wieder „Geh spielen!“ So weiß der Hund, dass sein Kommen nicht unbedingt bedeutet, nach Hause zu gehen.

„Komm“ ist kein Kommando, um einheitliche Ergebnisse zu erwarten, wenn der Hund ohne Leine ist. Wenn es richtig beigebracht wird, konsequent geübt und durch den Eigentümer mit endlosem Enthusiasmus gelobt wird, kann man es erfolgreich meistern. Sobald der Hund gelernt hat, was von ihm erwartet wird, freut er sich, seinem Herrchen oder Frauchen zu gefallen. Jedes Mal, wenn er kommen soll, wird der pelzige Hausgenosse vor die Wahl gestellt; doch allein durch eine gewissenhafte Ausbildung wird der Vierbeiner lernen, dass zum Besitzer zu gehen die richtige Entscheidung ist.

Bild: © Depositphotos.com / Bigandt

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