Die Läufigkeit der Hündin

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Die Geschlechtsreife bei Hunden wird durch die hormonelle Umstellung im heranwachsenden Körper gesteuert. Bei Rüden und Hündinnen nennt man diese Zeit Pubertät, genau wie bei den Menschen. Neben der körperlichen Weiterentwicklung verändert sich dabei auch das Wesen.

Die zweite Prägungsphase

Während dieser schwierigen Zeit werden beide Geschlechter sensibler, anhänglicher, ängstlicher, unsicher als sonst. Oft treten auch Überreaktionen im Verhalten auf: Aggressive Gereiztheit bis hin zum Angstbeißen, Unkonzentriertheit, Schreckhaftigkeit oder verändertes Fressverhalten, um nur einige Symptome zu nennen. Dem Hundehalter mag vor allem die hartnäckige Unfolgsamkeit auffallen, doch es ist wichtig, über die biologischen Zusammenhänge Bescheid zu wissen. Verständnisvoller und feinfühliger Umgang gegenüber dem Tier ist nun angesagt. Übermäßige Strenge, ein scharfer Kommandoton, Maßregeln und Leistungszwang prägen sich den jungen Hunden dauerhaft als schlechte Erfahrung ein, sodass schwere Beeinträchtigungen einer guten Beziehung zwischen Mensch und Hund herbeigeführt werden. Aus diesem Grund nennt man den Lebensabschnitt unmittelbar vor der Geschlechtsreife die zweite Prägungsphase.

Beginn der Geschlechtsreife

Bei allen Hündinnen ist der Ablauf gleich, doch die erste Läufigkeit tritt zu verschiedenen Zeitpunkten ein. Zwergrassen sind Frühentwickler, die bereits ab dem 6. Monat läufig werden. Bei mittelgroßen Rassen tritt die Geschlechtsreife um den 8. bis 9. Lebensmonat ein und große Rassen sind Spätentwickler, die im 9. bis 12. Lebensmonat so weit sind. Als äußeres Anzeichen der beginnenden Läufigkeit schwillt die Vulva deutlich an.

Dauer und Zyklus

Der gesamte Zyklus läuft über ca. 3 Wochen in vier Phasen ab und wiederholt sich ein bis zwei Mal pro Jahr. Die regelmäßige Wiederholung (alle 5 bis 12 Monate) zeugt von einem gesunden, ausgewogenen Hormonhaushalt der Hündin. Bei jungen Hündinnen verläuft der Zyklus meist planmäßig, bei älteren Tieren können unregelmäßige Intervalle oder komplettes Ausbleiben der Läufigkeit vorkommen. Auch wenn kein Wurf geplant ist, empfiehlt es sich, die Läufigkeit zu dokumentieren. Abweichungen können leichter erkannt werden und gegebenenfalls beim Auftreten gesundheitlicher Störungen dem Tierarzt wichtige Informationen gegeben werden.

Proöstrus

Der Proöstrus dauert ca. 7 – 10 Tage. Gleichzeitig tritt mit Duftstoffen (Pheromonen) angereichertes, blutiges Sekret aus, das sehr anregend auf Rüden wirkt. Zu diesem Zeitpunkt hat die Hundedame allerdings noch kein Interesse an ihren Verehrern und wehrt Annäherungsversuche rigoros ab. Die Ausschüttung des Follikelhormons Östrogen bewirkt vorübergehende Verhaltensänderungen wie provozierender Ungehorsam, markieren in der Wohnung oder starkes Bedürfnis zu schmusen. Die meisten Hündinnen halten ihren Genitalbereich durch häufiges Belecken sauber und urinieren häufiger. Um Flecken auf dem Sofa oder der Kleidung zu vermeiden, kann man im Zoofachhandel ein Schutzhöschen mit Wechseleinlagen kaufen.

Östrus

10 bis 20 Tage nach dem ersten Blutungstag wird das Läufigkeitssekret wässriger und hellrosa. Die Hündin ist nun für fünf bis 12 Tage lang deckbereit. Während der sogenannten Stehtage zeigt sie ihr Interesse deutlich, indem sie sich vor den Rüden hinstellt, den Schwanz zur Seite legt und vom Rüden gebührend umworben werden will: Es wird wild getobt, gekuschelt und vor allem intensiv geschnüffelt und beleckt. Ungefähr zwei Tage nach Einsetzen des Östrus findet der Eisprung statt und die fruchtbaren Tage setzen ein. Unter hormonellem Einfluss duldet die Hündin den Deckungsakt. Diese Phase hält einigen Stunden bis mehrere Tage lang an, es ist bei jeder Hündin anders. Der Hundehalter muss nun besonders gut achtgeben, ob nun ein Wurf geplant ist oder die Hündin nicht gedeckt werden soll. Manchmal kann der Paarungstrieb so stark sein, dass die Hündin sogar von zu Hause ausbüxt, um sich einen Partner zu suchen!

Meöstrus

Der Meöstrus dauert 2 – 3 Monate an. Progesteron ist nun das vorherrschende Hormon im Körper. Wurde die Hündin gedeckt, sind ab dem 20. Tag per Ultraschall Embryonen erkennbar. Gleichzeitig wächst das Gesäuge aufgrund des Hormons Prolaktin an, bis die Milch zum Geburtstermin einschießt. Die Trächtigkeit dauert je nach Größe der Hündin ca. 56 – 64 Tage. Vergrößert sich das Gesäuge bei einer ungedeckten Hündin, ist sie scheinträchtig. Ansonsten bilden sich die sichtbaren Läufigkeitsanzeichen langsam zurück und das Verhalten normalisiert sich wieder. Die Duftnote zieht allerdings immer noch Rüden an, doch die Hündin wehrt alle Annäherungsversuche energisch ab.

Anöstrus

In der letzten Phase kehrt durch den Abbau der Gelbkörper hormoneller Ruhezustand ein: Der Anöstrus dauert rund 90 Tage lang. Diese Zeit eignet sich optimal um mit dem Tier zu verreisen, Hundesport zu treiben oder Arbeitsprüfungen abzulegen.

Auch Rüden haben Stress

Während der kritischen Zeit sollten Hündinnen immer angeleint Gassi gehen und auch die Route sollte möglichst über ruhige Spazierwege führen, damit die Hündin in Ruhe ihr Geschäft verrichten kann. Es ist dringend anzuraten, der Hundewiese eine Weile fernzubleiben, da der Läufigkeitsduft sämtliche Rüden verrückt macht. Gut bewährt hat sich Chlorophylspray (Rüdenfernhaltespray), das den Duft für Hundenasen neutralisiert.
Der Fortpflanzungstrieb macht den Rüden genau so zu Hause zu schaffen, wenn in der Nachbarschaft läufige Hündinnen wohnen. Sie zeigen Unruhe, wollen ständig nach draußen, winseln, fressen nicht und sind dauerhechelnde Nervenbündel. Aus dieser natürlichen Trieblage heraus steigert sich die Produktion der Samen- und Prostatasekrete. Bleibt die Erleichterung aus, kann der Anstau dieser Körpersäfte zu einer Prostataschwellung führen, die sich später zu Entzündungen, Abzessen, Zystenbildung und Vergrößerung der Drüse ausweitet. Wenn der Hundebesitzer erschwerten Kotabsatz, Anzeichen für Unterbauchschmerzen oder Blutstropfen aus der Harnröhre bemerkt, ist es höchste Zeit, den Tierarzt zu konsultieren. Dem gesunden Rüden kann vor dem Läufigkeitstermin der Nachbarhündin eine beruhigende Hormonspritze verabreicht werden. Liegt bereits eine Prostataerkrankung vor, ist aus gesundheitlicher Sicht eine Kastration vielleicht die beste Lösung.

Ein Wurf kündigt sich an

Der Deckungsakt dauert nach ausgiebigem Vorspiel 20 – 40 Minuten lang. Beide Hunde hängen dabei fest aneinander und dürfen keinesfalls gewaltsam getrennt werden, da die Geschlechtsorgane erheblich verletzt werden können. Nach einer unerwünschten Deckung sollten die Hundehalter Ruhe bewahren. Bis der Wurf zur Welt kommt, bleiben gut zwei Monate Zeit, um nach einem Zuhause für die Welpen zu suchen. Zehn Wochen sollten die Welpen bei der Mutter bleiben, um sich gesund und kräftig zu entwickeln. Besonders für Familien mit Kindern ist es ein bleibendes Erlebnis, neues Leben heranwachsen zu sehen und eine Geburt mitzuerleben.
Fällt die Entscheidung gegen einen Wurf, kann der Tierarzt vom 3. bis zum 7. Tag nach dem unerwünschten Deckakt mithilfe einer Östrogenspritze einen Trächtigkeitsabbruch durchführen. Infolgedessen wird eine künstliche Läufigkeit erzeugt, die wiederum drei Wochen andauert.
Die Medikation mit Hormontabletten VOR dem Einsetzen der Läufigkeit verhindert ebenso eine Trächtigkeit. Eine Verabreichung NACH der Blutung erzeugt Hormonstörungen und kann zu einer Gebärmutterentzündung führen.
Eine weitere Möglichkeit, die Läufigkeit zu unterbinden, ist eine Gestageninjektion. Aus den gleichen Gründen wie vorher genannt, muss die Gabe während der Geschlechtsruhe (Anöstrus) erfolgen.

Bild: © Depositphotos.com / lilu1331

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